Editorial

Für eine bessere Welt

Die meisten Menschen möchten etwas Gutes tun und die Welt verbessern.

Fast täglich landet eine digitale Unterschriftensammlung bei mir: für grössere Meeres-Schutzgebiete; gegen die Annektierung palästinensischer Gebiete durch Israel; gegen tödliche Pestizide; für eine humane Flüchtlingspolitik; gegen Rassismus. Ich bin geneigt, in den meisten Fällen zu unterschreiben, min-destens dort, wo mir die Kampagne vertrauenswürdig erscheint. Auch ich möchte Gutes tun und die Welt verbessern.

Auch mit Demonstrationen, Pilgermärschen oder Sitzstreiks kann man Themen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen und Politik, Gesellschaft oder Kirche sensibilisieren. Und doch bleibt mir der Verdacht, dass sowohl das Unterschreiben von Petitionen wie das Demonstrieren manchmal vor allem dazu dient, mein persönliches Gewissen zu beruhigen. Die Frage bleibt: Wie erreiche ich wirklich etwas, das die Welt über das allernächste Umfeld hinaus verändert?

Thomas Merton, Trappist, Schriftsteller und Mystiker, sagt provokativ: «Es gibt eine vorherrschende Form zeitgenössischer Gewalt, der ein Idealist, der mit gewaltlosen Methoden für den Frieden kämpft, am ehesten erliegt: Aktivismus und Überarbeitung.» Merton hält das deshalb für so gefährlich, weil damit die eigene, innere Kapazität für den Frieden angegriffen wird und die Wurzeln der inneren Weisheit getötet werden.

Ich kann mich also nicht davon entbinden, meine innere Kapazität für den Frieden zu suchen. Finde ich diese Verbindung zu meinen Wurzeln, verstehe ich auch, wo ein konkreter Einsatz gefragt ist und wo meine Arbeit fruchtbar werden kann.

Die Sommerferien stehen vor der Tür – sie können mir auch dafür Raum und Zeit schenken.

Text: Beatrix Ledergerber