Gleichnisse aktuell

Unbezahlbar

«Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt» – dieser Spruch aus der Bibel wird oft zitiert, bis heute, obwohl er heiss umstritten ist.

Denn ebenfalls bis heute ist nicht klar, was hier gesagt worden sein könnte und was schliesslich übersetzt wurde. Theologinnen, Theologen, Exegeten, Archäologinnen – sie haben sich mit unterschiedlichen Thesen dazu geäussert. Und sämtliche können nicht belegt werden. Ist das Kamel einem Übersetzungsfehler geschuldet und würde eigentlich Schiffstau heissen, also ein festes Seil, das in der Schifffahrt gebraucht wird? War das «Nadelöhr» der Name eines Stadttors in Jerusalem, allerdings eines, das klein und schmal war, im Vergleich zu den anderen?

Bleibt die Frage, was uns Jesus damit sagen wollte. Ich vermute, Jesus wollte damit nicht sagen, dass Reichtum verwerflich ist. Er hat seine Worte zugespitzt und so vor den Gefahren des Reichtums gewarnt. Er fordert Armut als Bedingung für seine Nachfolge. Allerdings gilt auch: Was uns reich oder arm macht, sind nicht die Summen auf unserem Bankkonto, sondern unsere Haltung zum Leben. Den anderen sehen, Nöte wahrnehmen und uns nicht blenden lassen von Äusserlichkeiten und Oberflächlichkeit. Ich lese darin eine Aufforderung, meine Haltung regelmässig zu überprüfen: Was ist wichtig im Leben? An welcher Stelle stehen mein Glaube und meine Beziehung zu Gott?

Die wichtigste Aussage darin ist für mich die Zusage Gottes, dass er alles möglich macht. Durch ihn und seine Gnade kommen wir in das Reich Gottes. Es lohnt sich, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und zu schauen, wo wir Christus nachfolgen können. In dieser aktiven Haltung kann sich die Beziehung zu Gott vertiefen. Ich erwidere die Liebe und Gnade, die Gott mir zusagt, dadurch, dass ich das eine oder andere für ihn aufgebe und versuche, mich ganz seiner Botschaft hinzugeben.

Regelmässig fordert Jesus die Nachfolge ohne Kompromisse. Er lebt sie und will sie auch: die radikal gelebte Nächstenliebe und Gottesliebe. Ja, ich finde, der Preis der Nachfolge Jesu ist hoch. Ich finde aber auch, dass der Lohn unbezahlbar ist.

Text: Esther Stampfer, Pastoralassistentin Katholische Pfarrei St. Georg Küsnacht Er