Kräuter aus dem Kloster

Echtes Tausendgüldenkraut

Tausend Gulden versprach einst ein reicher Mann demjenigen, der ihm ein Mittel gegen sein immer wiederkehrendes Fieber beschaffen konnte.

Es wurde ihm eine rosablühende – «erythros» – Pflanze gebracht, die im antiken Griechenland bereits der heilkundige Zentaur Chiron – «centaurium» – verwendet haben soll. So kam der Mann zu Heilung und das Fieberkraut zu seinem offiziellen deutschen Namen.

Es hilft gegen alle von Viren verursachten und Fieber hervorrufenden Infektionen und hat dank der vielen Bitterstoffe bei Erschöpfung eine belebende Wirkung. Die Pflanze ist jedoch so bitter, dass für die Zubereitung des Tees eine sehr kleine Menge reicht. Man übergiesst lediglich so viel Kraut, wie zwischen drei Finger passt, mit 250 ml heissem Wasser und lässt es fünf Minuten ziehen.

Das Tausendgüldenkraut wächst auf Halbtrockenrasen und an Waldrändern. Es blüht da von Juli bis September, allerdings nur, wenn es sonnig ist – mindestens 20 ° C – und erst um die Mittagszeit. Auch wenn man es aufgrund der Blütenfarbe nicht vermuten würde, gehört die Pflanze zur Familie der Enziangewächse. Sie hat wie die meisten ihrer Verwandten fünf Blütenblätter und ganzrandige, gegenständige Laubblätter. Der Blütenstand ist eine lockere, endständige Scheindolde und macht das Tausendgüldenkraut – neben der Blütenfarbe – unverwechselbar. Es wächst zwar weit verbreitet, aber nirgends häufig. Daher ist die Begegnung mit ihm immer etwas Besonderes.

Text: Alexandra Dosch, Dipl. Feldbotanikerin und Theologin

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Illustration aus «Kräuterbuch deß uralten Unnd in aller Welt berühmtesten Griechischen Scribenten Pedacii Dioscoridis Anazarbaei (…).» 1614.(Buch im Besitz des Klosters Fahr)