Was ich einmal war ...

Sabine Zgraggen

Wie uns die ehemalige Intensivpflege-Fachfrau im Eingang zum Zürcher Universitätsspital empfängt, das strahlt Energie und Tatkraft aus.

Sie habe sich während ihrer Familienferien an der Nordsee ausgezeichnet erholen können, erklärt Sabine Zgraggen, Dienststellenleiterin der Spitalseelsorge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Wenn die gebürtige Berlinerin durch das Spital und natürlich die Spitalkirche führt, wird klar: Sie ist in der Welt der Medizin zu Hause.

Sie stamme aus einer Pflegedynastie, bestätigt Sabine Zgraggen. Mit einer Narkoseschwester als Mutter und einem Vater, der im Qualitätsmanagement eines Spitals tätig war, war für sie die Berufswahl klar: «Ich war glücklich, bei den Elisabeth-Schwestern im renommierten St.-Joseph-Krankenhaus in Berlin meine Pflegeausbildung machen zu können – und unglaublich stolz, zur katholischen Diaspora zu gehören.»

1992 kam die ausgebildete Pflegefachfrau in die Schweiz und arbeitete während zehn Jahren auf der Intensiv-Überwachungsstation am Kreuzspital in Chur, einem wiederum von Schwestern geführten Haus: «Die konfessionelle Verortung war mir wichtig», betont Sabine Zgraggen. Sie engagierte sich in der Ortspfarrei, besuchte den Glaubenskurs und bildete sich in der Pflege weiter. «Irgendwann stellte ich mir die Frage nach meiner Berufung – und begann mit 30 Jahren an der Theologischen Hochschule in Chur Theologie zu studieren», erinnert sich Sabine Zgraggen.

«Als Pflegefachfrau liebte ich den Patientenkontakt ganz besonders. Ich wollte spüren, was die Menschen umtreibt, welche Nöte, aber auch Hoffnungen sie haben. Leider war der Alltag in der Intensivstation oft von technischen Dingen wie Infusionen legen oder EKGs geprägt – das Gespräch und die Seele kamen oft zu kurz. Als Spitalseelsorgerin wollte ich mir Zeit nehmen können, dem Wesentlichen, den inneren Dingen, nachzugehen», erklärt Sabine Zgraggen ihren Richtungswechsel und fügt an: «Ich lebe existenziell aus dem Glauben. Christus rettet aus Verzweiflung und grösster Not. Davon möchte ich Zeugnis geben.»

Bis zu ihrer Ernennung zur Dienststellenleiterin war Sabine Zgraggen deshalb 16 Jahre lang als Psychiatrieseelsorgerin tätig.

In der Intensivpflege habe sie erfahren, wie zerbrechlich das Leben sei, sagt Sabine Zgraggen. «Der Tod ist auch in einem blühenden Leben oft nur Stunden entfernt. Dann zählen andere Dinge als Stärke und Erfolg. Das spirituelle Fundament, das dann tragen kann, muss bereits in guten Zeiten erarbeitet werden. Es ist die Basis, auf der Spitalseelsorge aufbauen kann.»

Text: Pia Stadler

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Nicht nur nach Rom führen viele Wege, sondern auch zur Theologie. Wir porträtieren in loser Folge Seelsorgerinnen und Seelsorger im Kanton Zürich, die zuvor einen anderen Beruf erlernt haben.