Kultur

Shiva trifft Suva

Im Alltag gibt es verschiedenste Situationen, wo religiöse Vorstellungen und staatliche Regelungen aufeinandertreffen. Eine Ausstellung in Bern greift Berührungspunkte auf und zeigt pragmatische Lösungen.

Im Hintergrund erklingt das Gebet eines Hindu. Der Betende sitzt mitten in einer Baustelle barfuss vor einem Feuer. Das laufende Video gibt Einblick in die Bauarbeiten am hinduistischen Tempel im Haus der Religionen. Der Tempel konnte trotz aller Schwierigkeiten mit den Richtlinien der SUVA 2014 fertiggestellt werden. Nebenan berichtet das SRF in einem Beitrag darüber, wie Schweizer Schulen Weihnachten feiern, und der Kabarettist Simon Enzler fragt ins Publikum: «Sind Muslime im Raum?»

Die Ausstellung «Shiva begegnet SUVA» greift brennende Fragen auf: Wo geraten Religionsgemeinschaften mit staatlichen Vorgaben in Konflikt? Welche Rolle darf Religion an öffentlichen Schulen spielen? Welche Verantwortung haben Medien bei ihrer Berichterstattung über Religionsgemeinschaften? Wie gelingen Seelsorge und Spiritual Care vor dem Hintergrund der Religionsfreiheit? Welche Bedürfnisse haben Konfessionslose, die ein Drittel der Schweizer Bevölkerung ausmachen? Einige dieser Fragen werden innerhalb der Ausstellung beantwortet, andere bleiben als Denkanstoss stehen. Dadurch bietet die Ausstellung wenig neue Erkenntnisse, regt aber anschaulich und konkret zur Auseinandersetzung an.

Am Eingang zeigen Grafiken die Mitgliederentwicklung der Religionsgemeinschaften in der Schweiz. Ein 3D-Diagramm veranschaulicht die Bedeutung, die Schweizerinnen und Schweizer Religion in verschiedenen Lebensbereichen wie Festen, Kindeserziehung oder Lebenskrisen beimessen. An einer Wand einige Räume weiter hängen Fotos der Friedhöfe verschiedener Religionsgemeinschaften in der Schweiz. Die Berner Standesbeamtin erklärt auf einer Infotafel, dass sie ab und an gefragt wird, ob der Vater die Braut im Standesamt zum Altar führen dürfe. An der letzten Station lädt ein Stuhlkreis zum Verweilen ein. An jedem Stuhl hängt ein Kopfhörer, über den die Diskussion zweier Experten zu aktuellen Themen wie Religion und Geschlecht oder Kirchenleerstand verfolgt werden kann.

Die Besichtigung dauert rund eineinhalb Stunden. Online kann eine kostenlose einstündige Führung gebucht werden. Auf der Homepage steht zudem Material zur Vorbereitung des Themas mit Schulklassen zur Verfügung. Die Ausstellung eignet sich für Jugendliche ab ungefähr 15 Jahren. Die verschiedenen Themen sind mit mehreren Rundfunkbeiträgen und vielen kurz gehaltenen Erklärungen in Textform illustriert. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Ein Besuch lohnt sich, insbesondere in Verbindung mit einer Besichtigung des hinduistischen Tempels am Haus der Religionen. Das Polit-Forum hat zudem ein spannendes Begleitprogramm zur Ausstellung zusammengestellt.

Text: Miriam Bastian, freie Mitarbeiterin

Angebot laufend

«Shiva begegnet SUVA.
Religion und Staat im Alltag»

Polit-Forum, Käfigturm, Marktgasse 67, Bern;
Telefon 031 310 20 60.

Öffnungszeiten: Mo 14.00–18.00,
Di–Fr 10.00–18.00, Sa 10.00–16.00

Bis 12. Dezember 2020. Eintritt frei. Es sind maximal 25 Besuchende gleichzeitig erlaubt.

www.polit-forum-bern.ch/ausstellung/shiva-begegnet-suva

Haus der Religionen, Europaplatz 1, Bern.
www.haus-der-religionen.ch