Im züripiet dihei

Unterwegs mit Jakobsmuschel und Uniform

Die Vereinigung «Jakobsoffiziere» lädt Militärangehörige zum Pilgern auf dem Jakobsweg ein – in Uniform, aber friedlicher Absicht.

Ein ungewöhnliches Projekt haben zwei Armeeseelsorger und einige Offiziere vor einem Jahr lanciert: «Warum nicht die Idee der Wallfahrt im militärischen Rahmen propagieren?», sagte sich Diakon Josef Bernadic. Sein reformierter Kollege in der Militärseelsorge, Balthasar Bächtold, war selber schon auf dem Jakobsweg unterwegs, während Bernadic immer dachte, «irgendwann möchte ich das auch tun.» Schnell fanden sie einen jungen Verbündeten: Bernadic, heute in St. Josef Horgen in der Seelsorge tätig, arbeitete damals in Kilchberg, hatte seinen Dienst als Armeeseelsorger beendet und sprach den in der Pfarrei engagierten Biomedizin-Studenten Tobias Gschwind auf die Idee an. Dieser war sofort mit dabei: «Ich hatte im Militär immer Freude am Marschieren, habe im Kontakt mit der Pfarrei und durch den Weltjugendtag in Polen auch Freude am Glauben – und hier kann ich das verbinden.»

Warum aber sollen nur Offiziere pilgern? «Das haben wir eingehend diskutiert», sagt Bernadic. «Es gibt im militärischen Rahmen gar keine Vereinigungen für Soldaten, nur solche für Offiziere und Unteroffiziere.» Sie hätten die Pilger-Idee zwar in die Rekrutenschulen ein-gebracht, bekamen dort aber die trockene Antwort, dass die Rekruten schon genug marschieren würden. So sprechen jetzt die «Jakobsoffiziere» als ausserdienstliche militärische Vereinigung Offiziere und Unteroffiziere an – Frauen wie Männer –, die sich in Uniform auf den Pilgerweg machen. «Aber selbstverständlich können alle, Soldaten oder sonst Interessierte, mitkommen, einfach in Zivil», erklärt der ständige Diakon. «Ob reformiert, katholisch, mit oder ohne Glauben. Wir wollen den Jakobsweg gehen, Einfachheit erleben, Menschen und Orte kennenlernen, Zeit anders wahrnehmen.» Es sei ein Angebot der Seelsorge, ohne den Leuten etwas «aufdrücken» zu wollen. Unterwegs würden sich oft unkompliziert ganz gute Gespräche ergeben, freut er sich. «Als auf einer Etappe einige Junge dabei waren, haben wir uns vor allem über unsere Militär-Erfahrungen unterhalten. Wenn mehr Zivile mit unterwegs sind, gibt es eher spirituelle Themen», ergänzt Tobias Gschwind, der in seiner Pfarrei als Ministrantenleiter und Jugendarbeiter wirkt. «Der Jakobsweg ist nicht nur etwas für Einzelpersonen, die in der Stille des Wanderns sich selber oder Gott finden möchten. Man kann auch als Gruppe eine sehr bereichernde Dynamik erfahren», findet der ehemalige Kunsthistoriker und Archivar Bernadic, der über die Arbeit im Archiv des Bischofs von Basel zur Theologie gestossen ist und seit 2007 in verschiedenen Zürcher Pfarreien gearbeitet hat.

Am Zusammenschluss des Tessiner und Innerschweizer Wegs in Emmetten.

Am Zusammenschluss des Tessiner und Innerschweizer Wegs in Emmetten. Foto: Jakobsoffiziere/zvg

Der Patch der Jakobsoffiziere.

Der Patch der Jakobsoffiziere. Foto: Christoph Wider

Auf den Jakobswegen begegnen die militärischen Pilger Menschen, Tieren, Landschaften – und Gott.

Auf den Jakobswegen begegnen die militärischen Pilger Menschen, Tieren, Landschaften – und Gott. Foto: Jakobsoffiziere/zvg

Auf den Jakobswegen begegnen die militärischen Pilger Menschen, Tieren, Landschaften – und Gott.

Auf den Jakobswegen begegnen die militärischen Pilger Menschen, Tieren, Landschaften – und Gott. Foto: Jakobsoffiziere/zvg

Auf den Jakobswegen begegnen die militärischen Pilger Menschen, Tieren, Landschaften – und Gott.

Auf den Jakobswegen begegnen die militärischen Pilger Menschen, Tieren, Landschaften – und Gott. Foto: Jakobsoffiziere/zvg

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In diesem Jahr 2020 ist in sieben Tages- und einer Vier-Tages-Etappe der Schweizer Jakobsweg dran. Wegen der Corona-Situation verschob sich die Etappe im Mai von Einsiedeln nach Schwyz auf Ende Juni. Marschiert wird in unterschiedlicher Gruppengrösse (einmal nur zu zweit, sonst aber mit zehn bis fünfzehn Per-sonen) täglich zwischen zehn bis fünfzehn Kilometer. «Tobias und ich waren einmal 30 Kilometer unterwegs», sagt Bernadic stolz, als «unsportlicher Diakon», wie er sich selber bezeichnet. Da sei dann schon der Offizier durchgedrungen, der sich gegenüber dem jungen Kameraden keine Blösse geben wollte, schmunzelt er. Der junge Gschwind ergänzt: «Mir gefällt am Militär das Kameradschaftliche: Gemeinsam etwas durchstehen und bis zum Schluss zusammenbleiben.» Ein gewisser Stolz, für sein Land einzustehen, und das – wie auch den eigenen Glauben – mit Uniform auf dem Jakobsweg zu bezeugen, sei auch dabei. Das spürt man auch bei Bernadic, wenn er voller Vorfreude erzählt, dass in diesem Herbst die eigene Standarte mit dem Schweizerkreuz und der Jakobsmuschel als Zeichen ihrer Vereinigung fertig gestellt wird. Diese werde dann von Gründungsmitglied und Wachtmeister Ulu Karakiz beim Pilgern mitgetragen. Bereits tragen alle Jakobsoffiziere einen Patch mit Jakobsmuschel und Schweizerkreuz an ihrer Uniform.

«Wir leisten Dienst für die Gemeinschaft, in der Armee genauso wie mit einem Engagement in der zivilen Gesellschaft», erklärt Bernadic. «Im militärischen Umfeld zeigen wir das mit der Uniform, im Zeichen des sichtbaren Schweizerkreuzes und – nur für jeden persönlich sichtbar – im Zeichen des Glaubenskreuzes.» Sie würden nicht jede Kirche auf dem Weg besuchen, aber manche Kapellen seien wahre Bijoux und immer etwas Besonderes, wenn man darin dann noch den heiligen Jakobus findet. Als sie im strömenden Regen unterwegs gewesen seien, hätten sie sich schon mal gefragt, warum sie sich das denn antun. «Doch als wir in der schönen Meinradskapelle auf dem Etzelpass Unterschlupf fanden, war das ein super Gefühl», sagt Gschwind. «Unterwegs klopfen wir manchmal an einer Klosterpforte, um den Pilgerstempel zu bekommen», fährt er fort. «Gerade während der Coronazeit haben die Schwestern oder Brüder, die uns öffneten, gerne noch ein paar Worte mit uns gewechselt. Es gab sehr schöne Gespräche, und ich habe mich gefreut, die religiöse Welt der Schweiz so von innen kennenzulernen.» Sie seien immer wieder den Jakobswegweisern gefolgt, aber auch so hätten sie ab und zu nach dem Weg fragen müssen. «Ich habe mich gefragt, wie es wohl den Pilgern vor 1000 Jahren ergangen ist, die ohne Wegweiser und GPS unterwegs waren», sinniert er.

Im nächsten Jahr stehen Etappen in Frankreich auf dem Programm. Eine Anfrage an den französischen Militärbischof wurde schon abgeschickt. Wenn dieser die Jakobsoffiziere offiziell einlädt, werden sie in Uniform durch Frankreich marschieren können, ohne als feindliche Invasion missverstanden zu werden. «Und sonst gehen wir dann einfach in Zivil», sagt Bernadic. «In T-Shirts in Tarnfarben und natürlich mit unserem Patch», schmunzelt er. Parallel werden alternative Schweizer Jakobsweg-Etappen angeboten für jene, denen die Etappen in Frankreich zu weit weg sind.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Angebot laufend

Nächste Etappen:

12.–15. Oktober.,
Lausanne–Genf,
insgesamt 79,20 km

Informationen und
Anmeldung bis 8.10.:
jakobsoffiziere@gmx.ch