Kultur

Bischöfliche Kostbarkeiten

Ende August öffnete das neue Domschatzmuseum in Chur seine Türen. Es zeigt neben liturgischen Geräten und Reliquiaren auch einen Wandbildzyklus von Todesbildern.

Das Domschatzmuseum in Chur umfasst zwei Objektgruppen: Den eigentlichen Domschatz und den Wandbildzyklus der Todesbilder von 1543. Diese beiden Bestände sind auf zwei Geschossen ausgestellt und für Besucher jeden Alters und für Fachleute von einzigartigem Wert. Der Domschatz war seit 2007 nicht mehr öffentlich zugänglich, die Churer Todesbilder konnten sogar seit 1976 nicht mehr besichtigt werden.

Der Standort des Museums, das barocke Bischöfliche Schloss in Chur, ist ein gewachsenes Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung und auch eine der bedeutendsten Profanbauten Graubündens.

Ein Domschatz besteht in erster Linie aus Reliquien. Das sind Überreste vom Körper eines Heiligen oder auch Gegenstände, die mit dem Heiligen in Verbindung waren. Wie wichtig Reliquien waren, zeigen Reliquiare, also die kostbaren Gefässe, in denen Reliquien aufbewahrt werden.

Neben Reliquien umfasst ein Domschatz auch weitere Kostbarkeiten, so zum Beispiel liturgische Geräte, die im Gottesdienst verwendet werden. Dazu gehören etwa Kelche, Kännchen für Wein und Wasser oder Weihrauchgefässe. Die bedeutenden Kunstwerke illustrieren eindrücklich die fast 1600 Jahre kirchliche Kulturgeschichte von der Bistumsgründung im 4. Jahrhundert bis heute.

Beim Zyklus der Todesbilder von 1543 handelt es sich um 25 bemalte Bildfelder einer Fachwerkwand mit drei Registern. Die Darstellungen zeigen Begegnungen von Menschen mit dem Tod. Sie sind als Grisaillen ausgeführt, der Maler verwendete also vor allem graue, schwarze und weisse Töne. Die Churer Todesbilder stehen in der Tradition der mittelalterlichen Totentänze. Sie gehen auf die Holzschnittfolge mit den Bildern des Todes nach Hans Holbein d. J. zurück und sind die ersten grossformatigen Kopien jener kleinen Graphiken aus der Zeit vor 1526.

Die Churer Todesbilder sind ein eigenständiges Werk von hoher künstlerischer Qualität. Abgesehen von den beiden Todesdarstellungen aus der Zeit um 1520 bis 1530 im Beinhaus von Leuk handelt es sich um den ältesten erhaltenen Zyklus in der Tradition der Totentänze in der Schweiz.

Text: Anna Barbara Müller, Kuratorin Domschatzmuseum

Angebot laufend

Anna Barbara Müller, Kuratorin des Domschatzmuseums in Chur.

Angebot laufend

Domschatzmuseum 

Hof 19, Chur; Telefon: 081 258 60 20

info@domschatzmuseum-chur.ch

Öffnungszeiten

September bis Oktober: Di–So, 11–17 Uhr, November bis April: Di–So, 14–17 Uhr

Eintrittspreise

Erwachsene: Fr. 8.–, AHV/IV/Studenten: Fr. 5.–, Kinder bis 16 Jahre: gratis

Vermittlung: 

Audioguide-App, Faltblätter zu Domschatz und Todesbildern, Führungen auf Anfrage

www.domschatzmuseum-chur.ch

Angebot laufend

Das Bündner Kunstmuseum zeigt bis am 22. November die von den Churer Todesbildern inspirierte Sonderausstellungausstellung «Dance Me to the End of Love. Ein Totentanz». 

www.buendner-kunstmuseum.ch