Gleichnisse aktuell

Von zwei Menschentypen

«Och nee!» ist so eine spontane Reaktion, wenn man etwas tun soll, aber keine Lust dazu hat – zumindest momentan nicht.

Der erste Sohn im nebenstehenden Gleichnis von Jesus ist für mich so ein «Och-nee-Mensch». Was ihn zur Reue und Umkehr bringt, steht nicht geschrieben. Aber er geht und verrichtet die Arbeit dann doch.

Ein ganz anderer Schlag von Menschen sind die «Jaja-Sager». Sie sagen «jaja», aber sie denken gar nicht daran, dem Wunsch und dem Anliegen anderer nachzukommen.

Diese beiden Typen stellt Jesus gegenüber, in einem Streitgespräch mit Pharisäern und Schriftgelehrten. Sie zählt er zum Grossteil zu den «Jaja-Sagern». Sie müssten eigentlich wissen, was der «Gott der Barmherzigkeit» will. Aber sie handeln nicht danach. Deshalb kommen die Zöllner und Dirnen, die erst mal «och nee!» sagen, eher in das Reich Gottes, wenn sie bereit sind zur Umkehr.

Solche sehr unterschiedlichen Menschtypen gibt es auch heute noch: Als vor einigen Wochen die Mundschutzpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln verordnet wurde, gab es auch welche, die erst mal sagten «och nee!». Aber sie sind einsichtig und halten sich mit grosser Mehrheit daran. Fährt man jedoch der Limmat entlang, dann wimmelt es nur so von «Jaja-Sagern». Kein Mindestabstand, eng aufeinander hockend, als wäre die Ansteckung mit dem Corona-Virus dort nicht gefährlich.

An anderer Stelle, im 5. Kapitel des Matthäus-Evangeliums, sagt Jesus: «Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein.» Im Gleichnis ist er dagegen etwas barmherziger und lässt zu, dass auch erst mal ein «och nee!» kommen kann. An beiden Stellen allerdings geht es Jesus um die Verlässlichkeit. Was ihm total gegen den Strich geht, sind die «Jaja-Sager», die überhaupt nichts verändert haben wollen, wie beispielsweise die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der katholischen Kirche, von Priestern und Laien usw. Der Schaden ist immens, denn die «Jaja-Sager» verspielen die Glaubwürdigkeit der Kirche. Es wäre höchste Zeit, dass aus einem «och nee!» eine Umkehr kommt, auf die doch nicht nur innerhalb der Kirche die Menschen warten.

Text: Rudolf Vögele, Leiter Ressort Pastoral im Generalvikariat Zürich-Glarus