Editorial

Hin und her geworfen

Manchmal komme ich mir vor wie in einem kleinen Boot im medialen Wellenmeer.

Wechselnde Corona-Nachrichten werfen mich hin und her. Die Flüchtlings- und Klimaproblematik kommt wieder stärker ins Bewusstsein. Diktatoren halten uns ihre Menschenverachtung vor Augen, und in der Schweiz wird unsauberes Geld gewaschen oder vergiftetes Material umweltgefährdend verschoben.

Es ist notwendig, über das alles informiert zu sein. Aber die Wahrnehmung wird auch verzerrt. Denn im digitalen Raum werden die Schrillen, Schrägen und von sich Überzeugten durch Likes und Weiterverbreitung verstärkt – und durch die Medien in die breite Öffentlichkeit getragen. Dass aber – gerade was Covid angeht – eine grosse Mehrheit erstaunlich gut und konstruktiv mit dieser schwierigen Situation umgeht, ist doch das eigentlich Erstaunliche – prägt aber nicht unser Bewusstsein.

Manchmal sind also die Wellen gar nicht so hoch, wie sie scheinen. Manchmal ist es aber auch nötig, die eigenen inneren Kräfte zu aktivieren, um trotz äusseren und oft genug auch inneren Stürmen das eigene Lebensboot kraftvoll zu steuern.

«Man verliert niemals seine Stärke. Manchmal vergisst man nur, dass man sie hat.» Dieser Satz fand via Whatsapp seinen Weg zu mir. Auch solche Botschaften können wir durch die sozialen Medien verbreiten – und uns damit stärken.

Eine Kraftquelle kann auch der Glaube sein. Nur erwarten wir auch hier manchmal das Falsche. Uns selbst zurücklehnen und Gott das Lösen unserer Probleme überlassen funktioniert nicht. Pater Ermes Ronchi sagte 2016 in seinen Fastenexerzitien vor Papst Franziskus und der Kurie: «Gott handelt nicht als unser Ersatzmann, er holt uns nicht aus den Stürmen heraus, sondern stützt und hält uns in den Stürmen. Gott bewahrt nicht vor allem Leid, aber er bewahrt und trägt uns in allem Leid. Gott bringt nicht die Lösung all unserer Probleme, er bringt sich selbst, und indem er sich selber schenkt, gibt er uns alles.»

Damit können wir weiterrudern und verlieren den Horizont nicht aus den Augen – und wenn wir uns umschauen, ist das Meer nicht nur stürmisch und rau, sondern oft auch wunderbar weit und schön.

Text: Beatrix Ledergerber