Was ich einmal war ...

Marcel von Holzen

Kathedralen errichten, den Churer Dom umbauen, der Kirche St. Peter und Paul einen zweiten Turm anbauen? Kein Problem für Marcel von Holzen, den gelernten Hochbauzeichner.

«Ich war schon immer ein Visionär, hatte Ideen, die ich in Zeichnungen umsetzte», sagt der Pfarrer von Heilig Geist in Höngg und Dekan der Stadt Zürich.

Bereits mit zwölf Jahren entwarf und baute er einen 3,5 Meter langen Schneedom – mit Seitenkapellen für alle Weltreligionen. 

Seine kreative Begabung sei ihm in die Wiege gelegt worden: «Mein Vater und mein Bruder waren technische Zeichner und mütterlicherseits gibt es Zeichnungslehrer und Maler in der Familie.»

Im Kindergarten entstanden aus Klötzchen Hochhäuser – «eine statische Herausforderung, mit der die Liebe zur Architektur erwachte», schmunzelt er. Schnell habe er gemerkt, dass Architektur sichtbar machen könne, was in Worten nicht zu fassen sei. «Sakrale Gebäude haben mich fasziniert, längst bevor ich deren theologischen Hintergrund verstand.» Doch auch zur Theologie fühlte er sich früh hingezogen: «Seit der 4. Klasse wollte ich Pfarrer werden. Da ich aber kein strebsamer Schüler war, stand ein Übertritt ins Gymnasium nicht zur Diskussion. Also beschloss ich, mit einer Hochbauzeichner-Lehre meine Leidenschaft fürs Zeichnen zum Beruf zu machen.»

Als sich nach Lehrabschluss am Priesterseminar in Chur die Gelegenheit zum Quereinstieg bot, absolvierte Marcel von Holzen doch noch ein Theologiestudium. Heute ist er dankbar für die Berufslehre: «Sie hat mir Einblicke in die Geschäftswelt gegeben – und Hochachtung für die Freiwilligen, die sich neben dem Berufsleben in der Pfarrei engagieren.»

Die Faszination für Architektur begleitet ihn bis heute: «Qualitätsvolle Architektur lässt den menschlichen Geist aufblühen. Sie kann ihn zum Träumen und in Begegnung mit Gott führen.»

Dabei erlebt er hochstehende Architektur keineswegs nur in Kathedralen, sondern auch etwa in Thermen: «Man sollte ein Spa so bauen, dass sich nicht nur der Körper, sondern auch der Geist regenerieren kann. Wenn ich mich nach intensiven Wochen hie und da in eine Wellnessoase zurückziehen, den Körper einfach Körper sein lassen und die Spiegelungen des Lichtes im Wasser betrachten kann, hat das für mich etwas sehr Spirituelles – ein sinnlicher Kult, der in mir nicht nur das Lebensgefühl erneuert, sondern auch die Gottesfrage weckt.»

Dabei werde ihm wieder bewusst, wieso er das Priestertum beruflich der Architektur vorgezogen habe: «Gebäude sind vergänglich. Ich aber wollte mich an etwas binden, das ewig ist.»

Text: Pia Stadler

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Nicht nur nach Rom führen viele Wege, sondern auch zur Theologie. Wir porträtieren in loser Folge Seelsorgerinnen und Seelsorger im Kanton Zürich, die zuvor einen anderen Beruf erlernt haben.