Kultur

Filmpreis der Zürcher Kirchen

Weder glitzernd noch glamourös liess sich die diesjährige Preisverleihung der beiden Kirchen am Zürcher Filmfestival an.

Anstelle von Smalltalk mit Cüpli im Folium war Anstehen mit Maske im Vorraum des Kinosaals angesagt.

Das Popcorn-Kino eröffne dafür mehr Zeit für den Film samt dargebotenem Fingerfood, hielt Kirchenratspräsident Michel Müller fest. Auch in der Corona-Zeit bräuchten wir die physische Nähe, das Kino, in dem es eben ansteckend wirke, zu lachen und zu weinen und neue Erkenntnisse über sich und andere zu gewinnen.

Der von der katholischen Informa-tionsbeauftragten Kerstin Lenz eloquent begrüssten Gästeschar wurde allerdings erst einmal ein harter Brocken aufgetischt.

Festredner Kurt Aeschbacher, selbsternannter «Unterhaltungsfuzzi ausser Dienst», nahm die Chance wahr, eine Predigt zu halten, die sich gewaschen hatte. Nach einem Intro mit einigen Belanglosigkeiten über die alte Liaison zwischen Kirche und Film zeigte der rührige Moderator, dass er auch anders kann.

Messerscharf sezierte er anhand von Michelangelos Fresken den christlichen Erbsündenmakel und nannte die erlösende Taufe einen «Marketingtrick», der den Kirchen steten Nachwuchs besorgt habe.

Das tradierte Gottesbild vom weissen, alten Mann und das Heteropaar Adam und Eva stünden für einen strukturellen Rassismus, merkte er an, um darauf eben- diese Zuschreibung auch zu demontieren.

Um Schweigen und Reden in den Widrigkeiten des Alltags drehte sich auch der Film «Sami, Joe und ich», den die Jury mit Lucie Bader, Simone Späni, Kirchenrat Andrea Marco Bianca und Synodalrat Tobias Grimbacher aus der zwölfteiligen Filmreihe «Fokus» ausgewählt hatte. Die Qualität der begutachteten Filme sei dieses Jahr besonders hoch gewesen, sagte Jurypräsidentin Bader.

Der mit 10 000 Franken prämierte Film aus heimischer Werkstatt überzeugt laut Jurorin und Filmproduzentin Simone Späni durch seine Präzision und Einfühlungsgabe und seine wunderbare Kameraarbeit, die die Gefühlswelt von Zürcher Teenagern beleuchte.

Von links: Regisseurin Karin Heberlein, Schauspielerin Anja Gada, Produzentin Claudia Wikc und Schauspielerin Jana Sekulovska von «Sami, Joe und ich»

Von links: Regisseurin Karin Heberlein, Schauspielerin Anja Gada, Produzentin Claudia Wikc und Schauspielerin Jana Sekulovska von «Sami, Joe und ich» Foto: Gion Pfander/zhkath.ch

Anja Gada spielte ihre erst Rolle – und erhielt gleich einen Preis.

Anja Gada spielte ihre erst Rolle – und erhielt gleich einen Preis. Foto: Gion Pfander/zhkath.ch

Die glückliche Crew von «Sami, Joe und ich».

Die glückliche Crew von «Sami, Joe und ich». Foto: Gion Pfander/zhkath.ch

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Text: Madeleine Stäubli-Roduner, zhkath.ch

Sami, Joe und ich

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«Sami, Joe und ich» von Karin Heberlein wurde neben dem Preis der Zürcher Kirchen auch noch mit dem Publikumspreis des Zurich Film Festival ausgezeichnet.