Editorial

Politik ja – aber konsequent

Bischöfe haben selbstverständlich das Recht zur politischen Stellungnahme – allerdings hätte ich da ein paar Auflagen …

Ich finde es völlig legitim, dass Bischöfe ihre politischen Rechte wahrnehmen. Sie dürfen sich für ein «Ja» zur Konzernverantwortungsinitiative aussprechen. Sie dürfen auch am «Marsch für s’Läbe» teilnehmen.

Wenn sie das tun, müssen sie sich aber erstens der Debatte stellen – nicht bloss dozieren, sondern diskutieren. Sie müssen zweitens ihre Deutungshoheit aufgeben – den Anspruch, immer recht zu haben. Und sie müssen drittens aufhören zu moralisieren – also über das Gewissen anderer Menschen zu urteilen.

Es gibt nun mal selten das einzig richtige Ziel und erst recht nie gibt es den einzig richtigen Weg. Man kann für verantwortungsvolles Wirtschaften sein, aber gegen die Konzernverantwortungsinitiative. Und man kann für den Schutz des Lebens sein, aber gegen ein Abtreibungsverbot. Mit Absolutheitsansprüchen, Unfehlbarkeitsfantasien und Entweder-oder-Strategien wird letztlich jedes konkrete ethische Handeln verunmöglicht.

Ich halte es zwar für völlig abstrus, von Christen zu verlangen, beim Wahrnehmen ihrer politischen Rechte ihren Glauben zu unterdrücken. Aber Christen haben weder automatisch die klügeren und richtigeren Argumente, noch haben sie kraft ihres Glaubens den Willen Gottes gepachtet. Vor Menschen, die sich für das Sprachrohr Gottes halten, gruselt’s mich.

Ich selbst werde am 29. November ein «Ja» für die Konzernverantwortungsinitiative einlegen. Es ist mein persönliches «Ja», das ich mir gut überlegt habe. Es ist aber keinesfalls das einzig richtige «Ja». Und schon gar nicht ist es Ihre Stimme …

Text: Thomas Binotto

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