Was ich einmal war ...

Andreas Beerli

Für ihn, jetzt Leiter der Gefängnisseelsorge, war nach der Lehre als Drogist klar: Er würde die Meisterschule in Neuenburg absolvieren.

Zehn Jahre später wechselte er in die Pfarreiarbeit. Heute leitet er die Gefängnisseelsorge des Kantons Zürich und die Stelle für kirchliche Gemeindeberatung, Coaching und Supervision. Keinen seiner Berufswechsel bereut er.

Andreas Beerli lacht, als er über seinen Entscheid für den Drogistenberuf spricht: «Ich wollte einfach nicht das KV machen.» Der gebürtige Urdorfer absolvierte im Nachbardorf die vierjährige Lehre, die er heute als «intensiv, aber schön» bezeichnet. Mit viel Enthusiasmus spricht er über das breite Aufgabenfeld als Drogist, insbesondere die Verbindung von gesundheitlichen und technischen Aspekten gefiel ihm. Zwischen Beratungen von Kunden mischte er Tinkturen und Tees. «Das fand ich faszinierend», meint er heute.

Nach der Meisterschule arbeitete er einige Jahre als Ärzteberater bei einem grossen Pharmakonzern, bis er mit 27 Jahren die Leitung einer grossen Zürcher Drogerie, spezialisiert auf Naturheilkunde, übernahm. Neu hatte er somit die Verantwortung über ein rund 12-köpfiges Team, viele davon älter als er selbst. Eine Erfahrung, von der er noch heute profitiert, wenn er in seiner jetzigen Führungstätigkeit Menschen berät, die in ihrem Berufsalltag in der Pfarrei auf Schwierigkeiten treffen, und gleichzeitig das 10-köpfige Team der Gefängnisseelsorge leitet.

Während seiner gesamten Zeit in der Pharmabranche befasste sich Andreas Beerli in seiner Freizeit intensiv mit Glaubens- und Sinnfragen. Dieses Interesse gab mit 30 den Anstoss – er wollte in die Theologie wechseln und drückte an der Uni Luzern nochmals die Schulbank. Nach einem Probejahr als Jugendarbeiter war die Entscheidung gefallen. Obwohl der Wechsel zunächst nicht einfach war, bereut er ihn nicht.

19 Jahre in der Pfarreiarbeit, davon 16 Jahre als Gemeindeleiter, und etliche Weiterbildungen – unter anderem ein Theologiestudium und einen Master in Non-Profit Management – weiter befindet sich Andreas Beerli an einem ganz anderen Ort – und geniesst. Konstante in seinem Leben ist das Interesse am Menschen und für Glaubens- und Sinnfragen: «Es ist unendlich wichtig, dass man neben der Arbeit oder dem Studium eine spirituelle Beheimatung hat. Für mich ist dies das Pilgern und die Kontemplation.» Auch wenn Andreas Beerli keine Tinkturen mehr mischt, so ist seine frühere Ausbildung trotzdem präsent. Wandert er mit seiner Frau im Grünen, fallen ihm immer noch die lateinischen Namen der Pflanzen ein, denn «die bringt man nicht mehr aus dem Kopf», wie er lachend zugibt.

Text: Luana Nava, freie Mitarbeiterin

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Nicht nur nach Rom führen viele Wege, sondern auch zur Theologie. Wir porträtieren Seelsorgerinnen und Seelsorger im Kanton Zürich, die zuvor einen anderen Beruf erlernt haben.