Im züripiet dihei

Ein Gewinn für die Pfarrei

Der aus Eritrea geflüchtete Michael S. kann nach Jahren freiwilligen Engagements nun eine Betriebsunterhalt-Lehre in der Pfarrei St. Antonius Wallisellen absolvieren.

Konzentriert befestigt Michael S. die neuen Desinfektionsspender im Pfarreizentrum St. Antonius Wallisellen. «In Corona-Zeiten braucht es absolute Verlässlichkeit bei der Reinigung und Desinfektion unserer Räumlichkeiten», sagt Volkmar Lehner, Hauswart und Lehrmeister von S.: «Da ist Michael perfekt. Auch sonst immer zuverlässig und pünktlich, es ist eine Freude, wenn man ihn nur sieht.» Sein Lehrling, ein 42-jähriger Eritreer, geht seit mehr als fünf Jahren in der Pfarrei St. Antonius ein- und aus. «Er war einer unserer fleissigsten Deutsch-Schüler», sagt Lucia Reinecke, sozialdiakonische Mitarbeiterin der Pfarrei. «Als die vielen  geflüchteten Menschen kamen, haben wir  in der Pfarrei als Erstes Deutsch-Kurse angeboten.» Inzwischen steht das Job-Coaching im Vordergrund. Denn wer von den Asylsuchenden die Bewilligung dazu bekommen hat, sucht nun Arbeit, um sich in der neuen Heimat zu integrieren.

Der eritreisch-orthodoxe Michael S. hat während seiner langen Zeit, in der er auf die B-Bewilligung wartete, nicht nur Deutsch gelernt, sondern sich von Beginn weg freiwillig engagiert: «Beim Mittagstisch der Pfarrei habe ich beim Kochen mitgeholfen.» Lucia Reinecke ergänzt: «Bis Corona alles stoppte, haben wir mit unseren Deutschschülern und Gästen jeweils ‹Deutsch à la carte› durchgeführt: Wir haben Spezialitäten aus allen Ländern gekocht und gegessen.» Lehrmeister Lehner schmunzelt: «Ich habe eine Schweizer Käseschnitte beigetragen.» Michael S. sei auch auf alle Seniorenausflüge der Pfarrei mitgekommen, mit seinem stillen, strahlenden Wesen habe er die Herzen aller erobert, sagt die Sozialdiakonin. Man spürt: hier ist nicht nur ein Arbeitsteam, sondern eine familiäre Gemeinschaft unterwegs.

Ohne Hindernisse ging es nicht. Nachdem Michael S. die B-Bewilligung endlich erhalten hatte, begann er sich zu bewerben und war bei einer Arbeitsstelle schon gut im Rennen, als wegen Corona alles zunichte wurde. Auch andere mögliche Stellen rückten in weite Ferne. «Da hat sich in der Pfarrei die Möglichkeit einer Betriebsunterhaltslehre in Kooperation mit der Stiftung bvz Berufslehr-Verbund Zürich  aufgetan», erzählt Lucia Reinecke. Von da an ging es schnell: Die Kirchenpflege bewilligte die Lehre, welche sie finanziell – zusammen mit verschiedenen Partnern – trägt. Lucia Reinecke bewältigte alle bürokratischen Vorgaben und Michael S. bewarb sich: «Corona wegen per Video, was für ihn eine Herausforderung war, aber er hat das souverän gemacht», sagt sein Lehrmeister stolz. Die ganze Pfarrei unterstützt dieses Projekt: Freiwillige geben ihm individuellen Deutsch-Unterricht und vom EDV-Beauftragten der Pfarrei bekommt Michael S. Unterstützung in allen Computer-Fragen. Denn er ist nicht digital aufgewachsen, «lernt aber schnell!», freut sich Lehrmeister Lehner.

Mit Engagement pflegt Michael S. zusammen mit Volkmar Lehner das Pfarreizentrum und die Umgebung.

Mit Engagement pflegt Michael S. zusammen mit Volkmar Lehner das Pfarreizentrum und die Umgebung. Foto: Manuela Matt

Mit Engagement pflegt Michael S. zusammen mit Volkmar Lehner das Pfarreizentrum und die Umgebung.

Mit Engagement pflegt Michael S. zusammen mit Volkmar Lehner das Pfarreizentrum und die Umgebung. Foto: Angelika Nido Wälty

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Nach fünf Jahren in der Asylunterkunft hat S. seit Anfang Oktober endlich auch ein eigenes Zimmer in einer sozial unterstützten Wohngemeinschaft der Stadt Wallisellen. «Da ist es zum Lernen viel besser als in der Asylunterkunft, wo es oft laut war», sagt Michael S. In seinem Zimmer hängt ein Foto, das ihn am Walliseller Lauf zeigt. «Sport ist für mich wichtig», sagt er. Die fünf Kilometer ist er für die Krebshilfe gelaufen. Auch in einer Fussball-Flüchtlingsmannschaft ist Michael mit viel Engagement dabei.

Lucia Reinecke ist auch mit anderen geflüchteten Menschen daran, nach Erhalt der entsprechenden Bewilligungen Lehr- und Arbeitsstellen zu suchen, knüpft Kontakte in alle Richtungen und hat immer neue Ideen, wie Asylsuchende in die Pfarreigemeinschaft integriert werden können. «Eine Win-win-Situation», sagt sie. Das freiwillige Engagement dieser jungen Menschen sei ein grosser Gewinn für die Pfarrei. Und für sie natürlich auch.

«Früher, in meiner Heimat, war ich Maler, Reiniger und Maschinist»,erzählt Michael S.. «Ich habe auch auf Baustellen gearbeitet.» Somit habe er alle Voraussetzungen für die Unterhaltslehre, meint sein Lehrmeister. «Am Montag habe ich frei, und Michael arbeitet dann selbständig nach dem Plan, den wir am Freitag aufstellen.» Das klappe einwandfrei – mehr noch: «Er sieht es auch, wenn Arbeiten anfallen, die nicht auf dem Plan stehen, und erledigt diese kompetent.» Nach dieser zweijährigen Berufslehre wird S. auf dem Arbeitsmarkt eine realistische Chance haben, sind seine Mentoren überzeugt. Die Sozialbehörde und die Asylkoordinatoren der Stadt Wallisellen seien darüber ebenfalls sehr erfreut und lobten das Engagement der Pfarrei. Michael S. zieht Mütze und Handschuhe über und geht zusammen mit seinem Lehrmeister nach draussen. Hier stehen Rosen- und Hibiskus-Sträucher, Lavendel, Fetthennen, Sonnenhut und andere Pflanzen, die er im Rahmen eines freiwilligen Pfarreiprojektes mit anderen Deutschschülern und Freiwilligen der Pfarrei gepflanzt hatte und für die er nun alleine zuständig ist. «Ich mache alles gern, was hier anfällt», sagt er und macht sich an die Arbeit.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Angebot laufend

Die Stiftung bvz Berufslehr-Verbund Zürich  bezweckt durch Ausbildung die Integration ins Erwerbsleben von wenig geförderten Jugendlichen und Migrantinnen und Migranten, in Zusammenarbeit mit privaten und öffentlich-rechtlichen Betrieben. Sie finanziert sich aus Beiträgen der angeschlossenen Partner-Lehrbetriebe, von der öffentlichen Hand und durch Spenden.

 

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