Spotlight: Domschatzmuseum Chur

Romanischer Kreuzfuss

Der Kreuzfuss aus dem 12. Jahrhundert im Churer Domschatz diente ursprünglich zur Befestigung eines Kreuzes.

Er ist aus Bronze gegossen und vergoldet. Der untere Teil ist hügelartig gewölbt und symbolisiert den Paradiesgarten: Von seiner Mitte aus fliessen die vier Paradiesströme durch die vier Löwenköpfe zu den Tatzen. Auf den Löwenköpfen sitzen die vier Evangelisten an ihren Schreibpulten.

Der obere Teil zeigt Adam, der aus seinem Sarg steigt und von zwei Engeln begleitet wird. Eine lateinische Inschrift auf dem Sarg lautet übersetzt: «Siehe, Adam, dem Gott am Kreuz das Leben schenkt, steht wieder auf.»

Die Stifterinschrift gibt einen Hinweis darauf, wie der Kreuzfuss nach Chur gelangt sein könnte. Sie nennt den Auftraggeber Nortpertus, der die Herstellung des Kreuzfusses veranlasste und den Künstler Azzo, der ihn schuf. Einige Forscher nehmen an, dass es sich bei Nortpertus um den Heiligen Norbert von Xanten, den Gründer des Prämonstratenserordens und Erzbischof von Magdeburg, handelt. Der Kreuzfuss könnte ein Geschenk von Nortpertus an den Churer Bischof Konrad von Biberegg sein, der von 1123 bis 1144 im Amt war. Unter seiner Herrschaft hatten die Prämonstratenser in Chur ihre erste Niederlassung gegründet.

Text: Anna Barbara Müller, Kuratorin Domschatzmuseum