Was ich einmal war ...

Rudolf Vögele

Die Linzertorte, mit der Rudolf Vögele die forum-Redaktion beschenkte, schmeckte köstlich. Und selbstverständlich sah sie auch fantastisch aus.

Denn der Leiter des Ressorts Pastoral im regionalen Generalvikariat Zürich-Glarus hatte in seiner Jugend das Handwerk des Bäckers von der Pike auf gelernt. Nicht zur Freude seines Vaters, obwohl dieser selbst Bäckermeister war, aber deshalb auch gesundheitlich sehr lädiert. «Ich wollte einfach handwerklich was machen», erinnert sich Rudolf Vögele, der des humanistischen Gymnasiums überdrüssig war. Als die Eltern in die Ferien fuhren, hat er in pubertärem Übermut die Schulbücher weggepackt und in einer Bäckerei angeheuert. Die Bäckerlehre wurde dann zur Reifezeit: «Meine Lehrmeister Kurt und die Chefin Inge haben mich erst eigentlich ‹zur Welt gebracht›. Durch sie habe ich gelernt, richtig anzupacken, zu planen, strukturiert und zielorientiert zu arbeiten.»

Eine Mehlallergie zwang Rudolf Vögele nach Lehrabschluss zum beruflichen Richtungswechsel. Nach einer «religiösen Auszeit», wie er sagt, wurde er von Seelsorgenden seiner Pfarrei doch wieder inspiriert, holte er die Matura nach und studierte in Freiburg i. Br. und Rom Theologie. Das brachte dann auch die Versöhnung mit seinen Eltern. «Ein Priester in der Familie hat schon was», interpretiert dies Rudolf Vögele.

Bis zur Priesterweihe hat es Rudolf Vögele allerdings nicht geschafft. Mit einem zölibatären Leben habe er sich nicht anfreunden können. Als Laientheologe sammelte er erst in verschiedensten Pfarreien Erfahrungen und spezialisierte sich auf die Pastoralentwicklung. Dort konnte er die organisatorischen Fähigkeiten aus der Backstube bestens einbringen. Seine Karriere führte ihn dann bis zum Projektleiter für pastorale Leitlinien im Erzbistum Freiburg und zu einer Ausbildung in und Dissertation über systemische Organisationsentwicklung in der Kirche.

Mit 48 sollte die neue berufliche Herausforderung im Zürcher Generalvikariat auf ihn warten. Die Vielfalt seiner Aufgaben, bei denen er sowohl als Manager und Berater wie auch als Seelsorger gefragt sei, begeistere ihn noch immer. Hat ihn so sein Weg vom Brot für den Leib zum Brot für die Seele geführt? «Stimmt, irgendwann hat mich die Berufung ereilt. Der Herr Jesus hat zu mir gesagt: ‹Ich will dich zum Menschenbäcker machen›», sagt Rudolf Vögele scherzhaft.

Seine weisse Bäckerschürze jedenfalls hält er stets griffbereit.

Text: Pia Stadler

Angebot laufend

Nicht nur nach Rom führen viele Wege, sondern auch zur Theologie. Wir porträtieren in loser Folge Seelsorgerinnen und Seelsorger im Kanton Zürich, die zuvor einen anderen Beruf erlernt haben.