Bistum Chur

Stimmen zum neuen Bischof

Joseph Maria Bonnemain heisst der neue Bischof von Chur. Wir haben kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um ihre Einschätzung dieser Ernennung gebeten…

Wohlwollende Art

Mit grosser Freude hat das Dekanat Zürich-Stadt die Nachricht der Ernennung von Dr. med., Dr. iur. can., Domherr Joseph Bonnemain zum langersehnten Bischof von Chur aufgenommen. Durch seine langjährige Tätigkeit im Bistum und speziell auch im Generalvikariat Zürich, aber auch als Spitalgeistlicher ist er unter den Seelsorgenden bestens bekannt. Viel Anerkennung hat ihm zudem seine intensive Arbeit im Rahmen der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen und den Umgang mit sexualisierter Gewalt eingebracht. Zudem hat sich Joseph Bonnemain immer auch für ein gutes Verhältnis zwischen Kirche und Staat, sowie für das sog. «Duale System» eingesetzt. Seine wohlwollende Art bildet die Basis für die künftige Zusammenarbeit, die von einem Miteinander geprägt sein soll. So freuen wir uns auf diese neue Zeit und wünsche dem Ernannten und der ganzen Diözese Gottes Segen.

Marcel von Holzen, Dekan Stadt Zürich


 

Keine leichte Aufgabe

«An Joseph Bonnemain geht mein ganz grosser Glückwunsch, mein inständiges Gebet und auch mein Beileid. Es ist wohl die bester Ernennung, die erfolgen konnte. Joseph Bonnemain kennt das Bistum und seine Problem seit langen Jahren und von höchster Warte (dem Bischofsrat) aus. Er hat mitgelitten und mitgehofft; er ist Seelsorgergenug; er kennt und schätzt das <duale System< – so kann er (und vielleicht nur er) es schaffen, wieder Frieden in das zerrissene Bistum zu bringen. Seine Aufgabe wird nicht leicht sein; beten wir für ihn!»

+ Peter Henrici SJ


 

Tiefes Durchatmen

Ich habe tief durchgeatmet und mich dann richtig gefreut, als ich von der Ernennung Joseph Bonnemains zum neuen Bischof von Chur hörte. Papst Franziskus hat klug und offenbar unter guter Abwägung all dessen, was auf dem Spiel stand, entschieden. In langen Jahren der Zusammenarbeit, vor allem im Bischofsrat, habe ich Joseph Bonnemain kennengelernt als gescheiten und vermittelnden Mann. Ihm traue ich es zu, gegensätzliche Gruppen zusammenzubringen, indem er neues Vertrauen schafft. Ich glaube, es gelingt ihm das Gespräch wieder aufzunehmen, das so lange im Bistum Chur gelähmt, ja ausgeschaltet war. Dessen bedürfen wir in allererster Linie. Ich durfte den neuen Bischof kennen- und schätzen lernen als Seelsorger. Ihm geht es nicht um Parteipolitik oder Ähnliches, sondern um die Menschen in ihrer Einmaligkeit, aber auch in ihrer Sehnsucht und in ihren echten Bedürfnissen.

Martin Kopp, a. Generalvikar


 

Interkulturalität

In einem Bistum mit vielen Kulturen ist der neue Bischof, nicht zuletzt aufgrund seiner Biografie, ein Hoffnungsträger für Interkulturalität in der Katechese. Sein verständnisvoller und aufrichtiger Umgang mit Menschen ist ein Gewinn für das neue Amt, das er übernimmt. Ich bin deswegen sehr dankbar, dass Joseph Bonnemain unser neuer Bischof ist.

Isabel Vasquez, Fachstelle für Religionspädagogik - Interkulturelle Katechese


 

Glaubwürdige Synthese

Das traue ich Joseph Bonnemain wie nur ganz wenigen zu: dass er den Spagat schafft zwischen Kirchentreue und Menschennähe. Darum ist er für mich ein Glücksfall als Bischof. Bisher schien immer nur die Wahl zu bestehen zwischen «entweder – oder», Kandidaten mit nur sturer Kirchentreue bis hin zu fast sklavischer Hierarchieergebenheit und menschenverachtender Gesetzeshörigkeit auf der einen Seite, schwammige Mainstream-Vertreter mit wenig Profil auf der anderen Seite. Und nun hat die glückliche Ernennung Roms den ausgewählt, der beides in sich zu einer glaubwürdigen persönlichen Synthese vereinigt und darum nicht polarisierend, sondern integrierend wirken wird. Zudem bin ich überzeugt, dass Bonnemain die Form, wie er seine bischöfliche Amtsmacht ausüben wird, zutiefst als Dienst am Gesamtwohl der lokalen Kirche und der Menschen unserer Zeit versteht und gestalten wird. So habe ich ihn in den vielen Jahren, in denen er mir schon als Verantwortungsträger mit unterschiedlichen Aufgaben begegnet ist, stets erlebt und geschätzt. Das nährt die Hoffnung und ist Anlass zu Freude!

Hugo Gehring, Pfarrer in Winterthur


 

Lebendiges Feuer

Lieber Joseph, jahrelang haben wir um einen Bischof gebetet, «in dem das Feuer des Heiligen Geistes lebendig und die Freude des Evangeliums spürbar ist.» In Dir ist uns ein solcher guter Hirt geschenkt. Du bist Seelsorger aus Leidenschaft. Am liebsten bist Du bei den Kranken und Sterbenden im Limmatspital. Dein Herz schlägt für die Opfer von sexuellem und spirituellem Missbrauch in unserer Kirche. Du bist als Arzt, Theologe und Kirchenjurist mit reichen Gaben des Geistes beschenkt und vom Evangelium begeistert.
Aber Du kannst und willst die Dir anvertrauten Aufgaben nicht allein stemmen. Jetzt muss ein Ruck durch unsere Diözese gehen! Jetzt muss das Volk Gottes von Chur mit seinen Priestern und Diakonen, Pastoralassistenten und Pastoralassistentinnen, mit den Frauen und Männern in den kirchlichen Behörden, jetzt muss die ganze Ortskirche von Chur zusammenstehen und sich mit Bischof Joseph gemeinsam auf den Weg machen. Fürs Erste aber will ich Dir nur sagen: Vergelt‘s Gott für deine Bereitschaft.

Josef Annen, a. Generalvikar


 

Geistesgegenwart

Ich freue mich für meine Schwestern und Brüder im Bistum Chur, dass die Zeit des Wartens und der Unsicherheit ein Ende genommen hat. Ich kenne Joseph Bonnemain aus meiner Zeit als Verantwortliche für die Spezialseelsorge in der Zürcher Kirche. Seine Erfahrung aus der Spitalseelsorge, wo ökumenisches Zusammenwirken Alltag war, er Frauen in Leitungspositionen kennen- und schätzenlernen konnte, wird sicher auch ein wichtiger Hintergrund sein für sein Wirken als Bischof von Chur. Ich wünsche Ihm viel Kraft, Weisheit und Geistesgegenwart für dieses anspruchsvolle Amt.

Rita Famos, Pfarrerin und Präsidentin des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes


 

Ein Bischof auf Facebook

Ich konnte noch nie einen Bischof als meinen Freund bezeichnen. Bald kann ich es, denn Joseph Bonnemain gehört zu meinem Facebook-Freundeskreis. Natürlich weiss ich um die Oberflächlichkeit dieses Mediums und seiner Aussagen. Trotzdem! Bereits, dass Joseph Bonnemain Facebook-Nutzer ist, lässt auf sein «Kirche sein in der Welt von heute» (GS) schliessen. Seine Fotos zeigen, dass er nicht nur Priester, sondern auch Mensch ist. Es sind nämlich nicht nur Bilder von Kirchen und Kapellen, sondern auch Erinnerungen an Reisen im In- und Ausland zu sehen. Sie zeugen von seinem Flair für den Süden, für feines Essen, für die Schönheiten des Lebens. Nebst den Fotos finden sich Bekenntnisse wie: «Die Bewahrung der Schöpfung ist keine mögliche Option unter anderen, sondern eine heilige Verantwortung». Dass dieser Facebook-Freund nun auch Bischof wird, freut mich sehr und ich wünsche ihm, dass er auch in diesem Amt nie vergisst, dass die «Kirche in der Welt von heute» stattfindet.

Flurina Cavegn-Tomaschett, Assistenta pastorala in der Pfarrei Ilanz


 

Ein Arzt ist gerade richtig

Papst Franziskus sieht die Kirche als Feldlazarett, in dem vom Leben verwundete Menschen Zuflucht suchen können. Im Bistum Chur bedarf es dringend eines Feldlazaretts, in dem Wunden, die durch kirchliche Missstände geschlagen wurden, allmählich heilen können. Welch gute Nachricht, dass nun ein bischöflicher Arzt ernannt ist!
Bekanntlich brauchen Spitäler gut qualifiziertes medizinisches und pflegerisches Personal – die Mitarbeit von vielen ist gefragt. Darum die gute Botschaft für den neuen Bischof: Im Bistum Chur gibt es unglaublich viele Menschen – Männer und Frauen in Pfarreien, in staatskirchenrechtlichen Körperschaften, Seelsorgerinnen, Seelsorger – die sich durch alle Schwierigkeiten nicht haben beirren lassen. Sie setzen sich je an ihren Orten für das Evangelium und für ein menschenfreundliches Gesicht der katholischen Kirche ein. Sie sind leidgeprüft und zugleich hoch motiviert. So viel Potenzial! Ich wünsche Bischof Joseph Bonnemain, dass er es fruchtbar werden lassen kann und dadurch auch selbst die nötige Unterstützung erhält.

Eva-Maria Faber, Prorektorin der Theologischen Hochschule Chur


 

Integrativ – auch für die Ökumene

Ich freue mich mit meinen Schwestern und Brüdern im Bistum Chur, ganz besonders in der Katholischen Kirche in Kanton Zürich, dass durch die Ernennung von Mgr. Joseph Maria Bonnemain es bald wieder ein Bischof von Chur geben wird. Als christkatholischer Pfarrer in Zürich habe ich die Umtriebe um die Bistumsleitung in den letzten 10 Jahren nicht mit Schadenfreude, sondern mit Schmerz beobachtet. Die geplatzte Bischofswahl letzten November war ein Trauerspiel. Da fragte ich mich, wie können gewisse kirchliche Amtsträger im 21. Jahrhundert (nicht im 19. Jahrhundert!) so selbstherrlich und verantwortungslos agieren? Gerade in einer Gesellschaft, in der die Glaubwürdigkeit der Kirche (zurecht) immer mehr in Frage gestellt wird. Wie können solche kirchenpolitische Spiele ein Dienst am Evangelium sein?
Ich weiss, was ein engagierter und glaubwürdiger Bischof bewirken kann. Als neuer christkatholischer Pfarrer in der Stadt St. Gallen durfte ich meinen Platz unter den ökumenischen Gästen an der Weihe von Bischof Markus Büchel am 17. September 2006 einnehmen. Während meiner Zeit in St. Gallen lernte ich immer mehr das Wirken von Bischof Markus zu schätzen. Seine Ausstrahlung tat nicht nur der römisch-katholischen Kirche vor Ort gut, sondern der ganzen Kirche – in ihrer ökumenischen Vielfalt. Durch ihn wurde Kirche als eine positive, glaubwürdige und vertrauensvolle Kraft und Partnerin in der Gesellschaft erkannt. Ich wünsche mir für das Bistum Chur, dass der neue Bischof genauso integer und integrativ wirken wird. Die Frauen und Männer im Bistum Chur haben es verdient. Und wir in den Schwesterkirchen und in der Ökumene auch. Ich hoffe und bete, dass das Bistum neue und fruchtbare Wege mit ihrem neuen Bischof gehen kann.

Pfarrer Lars Simpson, Augustinerkirche Zürich, Christkatholische Kirche im Kanton Zürich


 

Pragmatisches Handeln von Nöten

Ich freue mich über die Ernennung von Joseph Bonnemain zum neuen Bischof von Chur. Es war wichtig, dass Papst Franziskus nach dem langen Warten, dem unsäglichen Machtkonflikt und dem Eklat vom vergangenen November zeitnah gehandelt hat. Das Domkapitel hat sein Wahlrecht selbst aus der Hand gegeben. Es ist nur folgerichtig, dass Rom einen seiner eigenen Vorschläge nun selbst in die Tat umgesetzt hat. 
Mit Joseph Bonnemain hatte ich als Jesuitenprovinzial in kirchenrechtlichen Fragen zu tun. Es war immer eine angenehme, kompetente und pastoral umsichtige Zusammenarbeit. In den letzten Jahren habe ich seinen Einsatz für die Aufarbeitung und Prävention der Missbrauchsfälle in der Kirche geschätzt, der nicht nur für das Bistum Chur, sondern für die gesamte Schweiz von Bedeutung ist. In der Frage des dualen Kirchensystems hat Bonnemain Flexibilität gezeigt. Wichtig ist, dass sie nicht weiter zu einer Glaubensfrage hochstilisiert wird. Ein pragmatisches und zugleich strategisches Handeln wird von Nöten sein, angepasst an die gesellschaftliche Entwicklung. Vor allem freut mich, dass mit Bonnemain ein Mann Bischof wird, der auch in einem Bereich wie der Medizin und der Spitalseelsorge reiche Erfahrung mitbringt.

Christian Rutishauser SJ, Provinzial


 

Gute Wünsche aus dem Kloster Ilanz

Für die derzeitige Situation im Bistum Chur scheint mir Joseph Maria Bonnemain eine gute Wahl zu sein. Er kennt die Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte, und ich traue ihm zu, dass er nach ausgewogenen Lösungen suchen wird. Für diese schwierige Aufgabe wünsche ich ihm viel Kraft und Seelenstärke. Dies darf ich sagen, auch im Namen meiner Mitschwestern in Ilanz.

Sr.Ingrid Grave, Dominikanerin


 

Text: Veronika Jehle / Thomas Binotto