Im Züripiet dihei

«Ein Mensch, der für andere da ist»

Pfarreimitglieder von St. Nikolaus von Myra Rüschlikon haben die Bischofsweihe aktiv mitgefeiert – in ihrer Kirche mit Livestream.

Es herrscht eine familiäre Atmosphäre in der kleinen Rüschliker Kirche. Man begrüsst sich, plaudert und scherzt, während Pfarrer Josip Kneževic’ im Altarraum auf dem Laptop den Livestream einrichtet. Bald erscheint auf der grossen Leinwand hinter dem Altar das erste Bild, das aber stockt. «Wir wollen nicht Zuschauende sein, sondern die Messe mitfeiern», sagt der Pfarrer. Deshalb wollte er den Stream ohne Kommentar laufen lassen. Da das aber nicht funktioniert, wird auf kath.ch gewechselt, wo die Kommentare die Andacht aber keineswegs stören.

Als das Evangelium verlesen wird, stehen auch in Rüschlikon alle auf, nach der Weihe wird auch hier kräftig applaudiert, und hinter den Gesichtsmasken lächeln die Augen einander zu beim Friedensgruss. Man spürt die gespannte Aufmerksamkeit beim persönlichen Schlusswort des neuen Bischofs. Als er ausruft: «Hören wir auf, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Die Menschen interessiert das überhaupt nicht!» –hört man ein gewispertes «Jaaaa!» aus dem Kirchenraum. Und als Bischof Joseph zum Schluss auf Rumantsch zu reden versucht, geht ein Schmunzeln durch die Reihen. Spontan applaudieren alle nach dieser Rede.

«Es war, als wären wir dabei gewesen», meint nachher Margrit Gehrig. «Dieser Bischof ist so liebenswürdig, ein Mensch, der für andere da ist!», freut sich die junge Sakristanin Bernardine Grob. Maryan Herr, mit amerikanischen Wurzeln, fühlt sich bei ihm «ganz zuhause», da auch seine Muttersprache sich in einem sympathischen Akzent ausdrückt. Pfarreiratspräsidentin Uta Jelitto sagt: «Seine Worte sind mir nahegegangen. Dass wir einen synodalen Weg gehen, Geschwisterlichkeit leben und als Kirche nach draussen gehen sollen. Das ist total wichtig, auch in unserer Pfarrei.» Für Pfarreiratsmitglied Stefan Dubach war dieser Tag «ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Ich freue mich, dass der neue Bischof den positiven Geist unseres Papstes nun in unser Bistum trägt: Versöhnung und Miteinander, ohne jemand auszuschliessen. Hier in der Pfarrei sind wir schon länger auf diesem Weg.» Der ehemalige Sakristan Köbi Gehrig ist erfüllt «von einer riesigen Dankbarkeit». Der Bischof habe eindrücklich gezeigt, dass er seinen Bischofsstab als Wanderstab versteht, mit dem er «hinaus, zu den Menschen gehen» wolle.

Text: Beatrix Ledergerber