Kräuter aus dem Kloster

Gänse-Fingerkraut

Auf den ersten Blick fragt man sich, ob man bei dieser Pflanze wirklich ein Fingerkraut vor sich hat.

Die Blätter der meisten Fingerkräuter sind drei- bis fünfteilig und sehen aus wie eine kleine Hand. Die bis zu 20 cm langen Blätter des Gänse-Fingerkrauts sind jedoch gefiedert und haben bis zu 21 Teilblättchen, die auf der Unterseite silbrig-seidig behaart sind. Mit den meisten Arten der Gattung Potentilla teilt es jedoch die relativ grossen, goldgelben fünfteiligen Blüten.

Die Pflanze trägt den Beinamen Krampfkraut, da sie krampflösende Stoffe enthält. Diese lösen sich besser in Fett als in Wasser. Um einen Tee zuzubereiten, kocht man daher ein bis zwei Esslöffel frisches oder getrocknetes Kraut – Blätter und Blüten – zehn Minuten in einer Mischung aus 250 ml Milch und 250 ml Wasser. Das Getränk wirkt bei Krämpfen aller Art: Menstruationsbeschwerden, Migräne, Asthma, Blähungen, Muskel- und nächtlichen Wadenkrämpfen.

Die stark wuchernde Pflanze wächst an eher nährstoffreichen Standorten: auf verlassenen Äckern, an Wegrändern und auf Gänseweiden. Letzteres nahm Einfluss auf ihren Namen: Auch wenn die Gans – «anser» – alles kahl frisst, was ihr vor den Schnabel kommt, Potentilla anserina ist unverwüstlich und treibt immer wieder aus.

Neben dem Gänse-Fingerkraut werden auch drei weitere Potentilla-Arten als Heilpflanzen verwendet: die Blutwurz oder Tormentill, das Kriechende und das Gold-Fingerkraut.

Text: Alexandra Dosch, Dipl. Feldbotanikerin und Theologin