Leserbriefe

«Dorotheas Perspektive» > forum 6/2017

Mit Freude habe ich heute das forum aufgeschlagen, angelockt vom Titel «Dorotheas Perspektive» – in der Meinung, zeitnah zum internationalen Frauentag gäbe es nun Interessantes über diese eindrucksvolle Frau zu lesen.
Ich muss gestehen, am Ende der Lektüre war ich wirklich verärgert: Über Dorotheas Perspektive erfährt man rein gar nichts. Nur in wenigen Zeilen wird sie überhaupt erwähnt. Dafür stehen zu 90 Prozent wieder einmal Männer im Mittelpunkt: Bruder Klaus und Pfarrer Max Kroiß, der die Ausstellung beherbergt. Entschuldigung, aber das ist einfach voll daneben.
Manchmal ist es mit der katholischen Kirche und ihrem Frauenbild, ihrem Umgang mit Frauen wirklich zum Verzweifeln.

Angelika von der Assen, Winterthur

«Kirche ist nur eine Krücke» > forum 4/2017

Ich kenne eine Person, die mich im Namen des dreifaltigen Gottes getauft hat, mir auf ihrem Schoss Glauben beigebracht und auch zur Begegnung mit Gott und anderen geführt hat. Diese Person heisst «Kirche». Dem Christen, der seine Kirche nur als eine Krücke, das heisst als ein Mittel, versteht, fällt sicher gar nicht schwer, an neuen Krücken zu gehen. Da aber meine Kirche eine Person ist (und zwar eine alte, die ihrem Alter entsprechend viel mehr gesündigt hat als eine jünge), würde ich sie nicht je nach meinem Bedürfnis und dem Zeitgeist behandeln. Vielmehr trage ich sie, meine alt gewordene Mutter, gern auf dem Rücken – mit all ihren Fehlern, mit all ihrer Schuld. Ist das krass?

Pater Antonio Lee, Vikar in Wetzikon

«Pilger ohne Ziel» > forum 23/2016

Aus aktuellem Anlass wurde nun noch mehr als sonst schon über Bob Dylan geschrieben, aber selten findet man einen so kenntnisreichen Kommentar wie denjenigen von Knut Wenzel. In respektvollem Ton spricht der Autor die Werkphasen des Musikers zwischen high und low an und noch nie habe ich einen so einfühlsamen und richtigen Kommentar zu den musikalischen Statements der explizit christ-lichen Phase gelesen.

Diese drei Alben werden vom Mainstream übersehen oder abgelehnt, sind aber absolut auf gleichem Niveau wie alles, was Bob Dylan publiziert. Für dieses Gesamtwerk verdient er selbstverständlich den Nobelpreis, ob er ihn nun braucht oder nicht.

Bestimmt wird ihn auch dieser Preis freuen.

Valentin Haur, Zürich

«Justitia et Pax – Ein Dauerprovisorium» > forum 22/2016

Der Artikel über «Justitia et Pax» hat mich auf die Idee -gebracht, folgendes Thema aufzugreifen: Seit Jahren lese ich immer wieder in Zeitungen, dass Forscher in Amerika und anderswo das erklärte Ziel haben, den Menschen durch die Maschine zu ersetzen, ihn zum Ahnen der Maschine zu machen. Der Mensch soll arbeitslos werden und verschwinden. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine kirchliche Stellungnahme zu dieser Frage gelesen oder gehört zu haben. Gibt es eine solche Stellungnahme? Ich weiss nicht, ob sie in den Aufgabenbereich von -«Justitia und Pax» fällt, aber sicher in jenen der Kirche als Ganzes, die immer bestrebt ist, menschliches Leben zu verteidigen.

Helene Ambord, Zürich

«Editorial zur Burkafrage» > forum 20/2016

Ich bin hierzulande nie einer Burkaträgerin begegnet, wohl aber vor 48 Jahren in Afghanistan. Das Gitter vor den Augen ist radikal trennend. Es lässt weder für die Frau hinter, noch für die Frau vor dem Gitter einen Augenkontakt zu. Hingegen der Nikab, die Verschleierung des Gesichts, der die Augen freilässt, lässt durchaus Augenkontakt zu. Ein Augenblinzeln oder ein Fragezeichen oder ein Lachfältchen … Im Südoman ist meiner Tochter und mir eine Nikabträgerin begegnet, mit der wir uns über Familie, Kirchen und Moscheen und alles Mögliche unterhalten haben, als sie plötzlich fragte, was wir vom Gesichtsschleier hielten. Er sei etwas geheimnisvoll, sagten wir. Da zog sie für einen Augenblick den Schleier vom Gesicht weg, und wir waren verblüfft. Man macht sich von schönen, dunklen Augen ein Bild des Gesichts, und es entspricht nicht unbedingt der Wirklichkeit. Nachher unterhielten wir uns weiter mit ihr, wieder verschleiert, über Gott und die Welt. Ich finde, wir selber haben ein Brett vor dem Kopf, wenn es um Gesichtsschleier geht.

Ruth Obrist, Zürich