Leserbriefe

«Zum Austritt prominenter Frauen» > forum 25/2018

Ich gehöre zu den regelmässigen Leserinnen des Pfarrblatts und schätze die Arbeit der forum-Redaktion. Den Beitrag von Thomas Binotto zur Geschichte der Kirchenkrise  in der Ausgabe 25/2018 habe ich sogleich mit grossem Interesse gelesen. 

Die Stellungnahme der Synodalratspräsidentin «Zum Austritt prominenter Frauen» belegt die Aktualität der Analyse Binottos. Als eine der sechs Frauen bedauere ich jedoch sehr, dass das forum die Reaktion der Synodalpräsidentin auf unsern Austritt aus der Kirche veröffentlicht hat, ohne die Leserschaft des forums über die ganz konkreten  Punkte in unserer Medienmitteilung zu informieren. Auslöser für unsern Entscheid «Wir gehen!» war die Äusserung des Papstes vom 10. Oktober 2018, eine Abtreibung sei wie ein Auftragsmord. Ich zitiere aus unserer Medienmitteilung:

«Über Abtreibung kann man geteilter Meinung sein. Was aber am kirchlichen Nein empört: Frauen in einer Notlage werden zu Kriminellen gestempelt, während gleichzeitig Verhütungsmittel streng verboten sind. Wird eine Frau dann ungewollt schwanger, ist der Schutz des ‹ungeborenen Lebens› sakrosankt, die Lebenssituation der betroffenen Frauen dagegen wird komplett ausgeblendet. Die Frauen werden kriminalisiert, während die an der ungewollten Schwangerschaft beteiligten Männer überhaupt nicht in die Pflicht  genommen werden.[...]

Auch wenn wir in unseren Ortsgemeinden eine ‹andere Kirche› erleben, die unsere Werte von Geschlechtergerechtigkeit und einem guten Leben für alle Menschen umsetzt, können wir uns nicht länger vormachen, dass wir als Mitglieder der römisch-katholischen Kirche mit dem römischen Lehramt und der Klerikerkirche nichts zu tun hätten und nicht Teil des Systems wären. Wir bleiben unserer ‹anderen Kirche› mit ihren sozialen Engagements weiterhin verbunden, und unsere bisherigen Kirchensteuern sollen als Spende direkt ihnen oder anderen sozialen Projekten zugutekommen. Doch den römisch-katholischen Machtapparat mit seiner patriarchalen Theologie wollen wir mit unserer Mitgliedschaft nicht länger stützen. Wir gehen.»          

Anne-Marie Holenstein, Zürich

Vollständige Erklärung der sechs Frauen 

Editorial zu Waffenexporten > forum 24/2018

Prophezeiung der Schrift: «Am Ende der Tage wird es geschehen: {…} Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation und erlernen nicht mehr den Krieg.» (Jes 2,2–4).

Bis es so weit ist, haben wir noch manche Bedrohung zu erleben. Die Frage ist, wie ein Volk darauf reagieren soll. Der Rat Jesu, auch die andere Wange hinzuhalten, wenn man auf eine geschlagen wird, gilt für den Einzelmenschen und kann nicht einfach auf den Staat übertragen werden. Die menschliche Seele ist unsterblich und kann auf Vergeltung im Jenseits hoffen. Das ist dem Staat nicht versprochen. Wehrhaftigkeit ist nötig, um einen ruhigen Fortgang in der Bevölkerung und die Freiheit zu sichern. Dies auch andern Völkern zu ermöglichen – und sei es mit Waffenlieferungen –, kann nicht verboten sein. Wenn aber unter dem Vorwand, Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie zu retten, kriegerische Nationen mit Waffen beliefert werden, ist die rote Linie überschritten. Es gibt genügend Arbeit, die dem friedlichen Fortschritt dient.

Die beste Garantie für den Frieden ist das Hochhalten der Botschaft Christi von jedem Einzelnen. In der Demokratie trägt hier jeder die Verantwortung. Das Kreuz in unserer Fahne stammt ja tatsächlich vom Kreuz Christi. Wenn aber Gesetze gemacht werden, die gegen Gottes Gebot gerichtet sind, kann das Verderben auch mit den besten Waffen nicht aufgehalten werden.

Josef Köchle, Zürich

Stolperstein «Wandlung» > forum 20/2017

Ihre Aussagen zur Wandlung habe ich aufmerksam gelesen. Eingangs sind gute Fragen aufgelistet. Doch plötzlich driften Sie vom Heilsgeschehen ab und versuchen das Wort «Wandlung» als einen banalen Begriff zu interpretieren. Diese doppeldeutige Sichtweise  kann ich nicht nachvollziehen. Es ist für mich eine Beleidigung des Herrn und eine Irreführung der Gläubigen. Die Wandlung innerhalb der Eucharistiefeier ist für mich nicht ein von der Lebenswelt der Menschen isoliertes Geschehen. Man kann dem Herrn in der heiligen Messe all seine Sorgen, Nöte, aber auch Freuden auf die Patene legen. ER tröstet, stärkt und führt uns. Wo finden wir so viel Liebe? Wer die heilige Messe regelmässig besucht, spüren, dass Jesus noch immer da ist und lebt, wenn nicht mehr im Fleisch, so doch im Geist.

Anne-Marie Baumeler

«Blaise Pascal» > forum 19/2017

Der Artikel über Blaise Pascal weckt den Anschein, dass dieser ein gläubiger Katholik gewesen sei, da er ein Anhänger der «Janseniten» war. Hier sollte aber von den Jansenisten die Rede sein, also den Anhängern einer Bewegung (Jansenismus), die auf einer geistigen Überzeugung beruht.Zusammen mit den Hugenotten waren die Jansenisten wichtige Wegbereiter der Reformation in Frankreich. Dementsprechend wurden sie von der katholischen Kirche als Häretiker verfolgt. Blaise Pascal war also sicher nicht «streng katholisch», wie in Ihrem Artikel dargestellt, sondern eher ein Kritiker der damaligen Dogmen. Persönlich glaube ich ebenfalls, dass Glaube und Wissenschaft nicht im Widerspruch stehen müssen.
Es dürfte aber schwierig sein, im Frankreich des 16. oder 17. Jahrhunderts Wissenschaftler zu finden, die nicht im Widerspruch zur damaligen Glaubenslehre der katholischen Kirche standen.

David Belart

«Der weltliche Bruder Klaus» > forum 19/2017

Den langen, interessanten Artikel über Bruder Klaus und seine Frau Dorothee Wyss nehme ich zum Anlass, der zahlreichen Verlobten und Ehepaare zu gedenken, die sich im Laufe der christlichen Geschichte trennten, damit einer der Partner dem Ruf Gottes folgen konnte. 

Von Beginn an waren es wahrscheinlich die Jünger Christi und ihre Ehefrauen. Über Letztere sagt die Bibel nichts aus. Man weiss nur, dass Christus die Schwiegermutter des Petrus heilte.

Ich traf einmal eine Protestantin. Sie war verlobt und wollte bald heiraten. Sie hatte ihre Ausstattung bereits beisammen. Während eines Spaziergangs erhielt sie den Ruf Gottes Diakonisse zu werden. Sie rang zwei Jahre mit sich selbst, bis sie Gott folgen konnte. Wie ihr Verlobter das Dilemma verarbeitete, weiss ich nicht. 

Ich denke an Eltern, die Ja sagen zur Berufung eines ihrer Kinder, und denke an diese jungen Erwachsenen, die wie Bruder Klaus und Dorothee vor einem endgültigen Entscheid stehen.

Helene Ambord, Zürich

«Der weltliche Bruder Klaus» > forum 19/2017

Die Schwächen eines Heiligen zu erwähnen, ist sicher erlaubt. Es könnte sogar zu unserem Trost gereichen, nur müsste man sich dabei an die Wahrheit halten. Das aber vermisst man zum Teil bei Luke Gasser in seiner Beschreibung von Bruder Klaus. 

Dieser habe sich allzu leichtfertig vor den Karren der Herren spannen lassen, indem er deren Bereicherung durch die Reisläuferei nicht anprangerte und Heuchler und Wichtigtuer nicht aus seiner Schlucht gejagt habe. So wäre also seine Frömmigkeit im Widerspruch zu seinem Verhalten gegenüber den Grossen dieser Welt gestanden. 

Walter Nigg bezeugt aber in seinen Beschreibungen unseres Heiligen dessen Widerstand gegen die Reisläuferei. Und Roland Gröbli bekräftigt auf einer Website der Bruder-Klausen-Stiftung: 

«Während der Reformation erinnerten Reformatoren (Zwingli, Bullinger) vor allem an die politischen Ratschläge (Abkehr vom Pensions- und Söldnerwesen) des Eremiten, während die katholische Seite die religiösen Aspekte hervorhob.» 

Was die Heuchler und Wichtigtuer betrifft, hat Bruder Klaus zum Beispiel einem Abt, der sich bei ihm als Inquisitor aufspielte, seine habgierigen Machenschaften vorgehalten, sodass dieser beschämt abtreten musste. Bruder Klaus hat eine solche Abwertung nicht verdient.

Josef Köchle, Zürich

«Dorotheas Perspektive» > forum 6/2017

Mit Freude habe ich heute das forum aufgeschlagen, angelockt vom Titel «Dorotheas Perspektive» – in der Meinung, zeitnah zum internationalen Frauentag gäbe es nun Interessantes über diese eindrucksvolle Frau zu lesen.
Ich muss gestehen, am Ende der Lektüre war ich wirklich verärgert: Über Dorotheas Perspektive erfährt man rein gar nichts. Nur in wenigen Zeilen wird sie überhaupt erwähnt. Dafür stehen zu 90 Prozent wieder einmal Männer im Mittelpunkt: Bruder Klaus und Pfarrer Max Kroiß, der die Ausstellung beherbergt. Entschuldigung, aber das ist einfach voll daneben.
Manchmal ist es mit der katholischen Kirche und ihrem Frauenbild, ihrem Umgang mit Frauen wirklich zum Verzweifeln.

Angelika von der Assen, Winterthur

«Kirche ist nur eine Krücke» > forum 4/2017

Ich kenne eine Person, die mich im Namen des dreifaltigen Gottes getauft hat, mir auf ihrem Schoss Glauben beigebracht und auch zur Begegnung mit Gott und anderen geführt hat. Diese Person heisst «Kirche». Dem Christen, der seine Kirche nur als eine Krücke, das heisst als ein Mittel, versteht, fällt sicher gar nicht schwer, an neuen Krücken zu gehen. Da aber meine Kirche eine Person ist (und zwar eine alte, die ihrem Alter entsprechend viel mehr gesündigt hat als eine jünge), würde ich sie nicht je nach meinem Bedürfnis und dem Zeitgeist behandeln. Vielmehr trage ich sie, meine alt gewordene Mutter, gern auf dem Rücken – mit all ihren Fehlern, mit all ihrer Schuld. Ist das krass?

Pater Antonio Lee, Vikar in Wetzikon

«Pilger ohne Ziel» > forum 23/2016

Aus aktuellem Anlass wurde nun noch mehr als sonst schon über Bob Dylan geschrieben, aber selten findet man einen so kenntnisreichen Kommentar wie denjenigen von Knut Wenzel. In respektvollem Ton spricht der Autor die Werkphasen des Musikers zwischen high und low an und noch nie habe ich einen so einfühlsamen und richtigen Kommentar zu den musikalischen Statements der explizit christ-lichen Phase gelesen.

Diese drei Alben werden vom Mainstream übersehen oder abgelehnt, sind aber absolut auf gleichem Niveau wie alles, was Bob Dylan publiziert. Für dieses Gesamtwerk verdient er selbstverständlich den Nobelpreis, ob er ihn nun braucht oder nicht.

Bestimmt wird ihn auch dieser Preis freuen.

Valentin Haur, Zürich

«Justitia et Pax – Ein Dauerprovisorium» > forum 22/2016

Der Artikel über «Justitia et Pax» hat mich auf die Idee -gebracht, folgendes Thema aufzugreifen: Seit Jahren lese ich immer wieder in Zeitungen, dass Forscher in Amerika und anderswo das erklärte Ziel haben, den Menschen durch die Maschine zu ersetzen, ihn zum Ahnen der Maschine zu machen. Der Mensch soll arbeitslos werden und verschwinden. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine kirchliche Stellungnahme zu dieser Frage gelesen oder gehört zu haben. Gibt es eine solche Stellungnahme? Ich weiss nicht, ob sie in den Aufgabenbereich von -«Justitia und Pax» fällt, aber sicher in jenen der Kirche als Ganzes, die immer bestrebt ist, menschliches Leben zu verteidigen.

Helene Ambord, Zürich

«Editorial zur Burkafrage» > forum 20/2016

Ich bin hierzulande nie einer Burkaträgerin begegnet, wohl aber vor 48 Jahren in Afghanistan. Das Gitter vor den Augen ist radikal trennend. Es lässt weder für die Frau hinter, noch für die Frau vor dem Gitter einen Augenkontakt zu. Hingegen der Nikab, die Verschleierung des Gesichts, der die Augen freilässt, lässt durchaus Augenkontakt zu. Ein Augenblinzeln oder ein Fragezeichen oder ein Lachfältchen … Im Südoman ist meiner Tochter und mir eine Nikabträgerin begegnet, mit der wir uns über Familie, Kirchen und Moscheen und alles Mögliche unterhalten haben, als sie plötzlich fragte, was wir vom Gesichtsschleier hielten. Er sei etwas geheimnisvoll, sagten wir. Da zog sie für einen Augenblick den Schleier vom Gesicht weg, und wir waren verblüfft. Man macht sich von schönen, dunklen Augen ein Bild des Gesichts, und es entspricht nicht unbedingt der Wirklichkeit. Nachher unterhielten wir uns weiter mit ihr, wieder verschleiert, über Gott und die Welt. Ich finde, wir selber haben ein Brett vor dem Kopf, wenn es um Gesichtsschleier geht.

Ruth Obrist, Zürich

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