Editorial

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Ich tue mich schwer mit einer eindeutigen Antwort zur Burkafrage.

Die Debatte läuft nun seit Wochen. Und auch von der katholischen Kirche erwarten viele den klaren Positionsbezug. Obwohl diese Erwartung vor allem an die Adresse der Bischöfe geht, fühle ich mich herausgefordert.

 

Nur stecke ich leider immer noch mitten in meiner inneren Auseinandersetzung:
Einerseits fühle ich mich unwohl, wenn ich einer Frau in Burka oder Nikab begegne. Andererseits finde ich auch so manche «westliche» Kleiderwahl unpassend.
Einerseits empfinde ich es als seltsam, dass jene Burkaträgerinnen, die sich in der Debatte zu Wort melden, ausschliesslich Konvertitinnen sind. Andererseits halte ich es für problematisch, anderen Menschen von mir aus Motive unterzuschieben.
Einerseits hoffe ich, dass ein Verbot der Gesichtsverschleierung zur Sicherheit beitragen kann. Andererseits bin ich überzeugt, dass unsere offene Gesellschaft möglichst keine Kleidervorschriften erlassen sollte.
Einerseits will ich für unsere Werte eintreten und erwarte sowohl von der Bevölkerung dieses Landes wie von Touristen, dass sie diese respektieren. Andererseits bin ich nicht bereit, über ein Burkaverbot zu diskutieren, aber eigentlich ein Islamverbot zu meinen.
Einerseits halte ich die Burkafrage für keine religiöse Frage. Andererseits will ich nicht leugnen, dass Religion, Tradition, Kultur und Politik eng verknüpft sind.

 

Eigentlich bin ich mir im Moment nur über eines ziemlich im Klaren: Je offener, vielfältiger und liberaler eine Gesellschaft ist, desto häufiger müssen wir es aushalten, dass wir nur schwer klare, allgemeingültige und mehrheitsfähige Antworten finden. Wenn wir für uns selbst möglichst viele Freiheiten erwarten, müssen wir diese auch anderen gewähren. Und wenn wir anderen die Freiheiten beschneiden, dann werden wir uns damit auch selbst einschränken.

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