Editorial

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Wie eine Blutspur zieht sich rote Farbe über die Schafe, den Stall und die ganze orientalische Landschaft. In der Nacht auf den 23. Dezember wurde die neue Krippe in der Kirche von Regensdorf besudelt.

 

Ein schockierter Pfarrer berichtet mir am Telefon, dass sich wohl über Nacht ein oder mehrere Täter in der Kirche versteckt hatten, da die Polizei keine Spuren eines Einbruches fand. Pfarreiangehörige hätten geweint, als sie die zerstörte Krippe sahen.

 

Maria, Josef und das Jesuskind blieben verschont: sie waren am 23. Dezember noch nicht in Bethlehem angekommen. Am Weihnachtsabend stellte sie Pfarrer Remo Eggenberger in die verwüstete Landschaft und nahm das Thema in der Weihnachtspredigt auf: Jesus ist nicht in eine harmonische, friedliche Welt hineingeboren. Damals wie heute kommt er in eine Welt voller Gewalt und Zerstörung. «Wir lassen unsere Krippe wie vorgesehen bis zum 2. Februar in der Kirche stehen und solidarisieren uns mit den Menschen, deren Kirche zerbombt wurde oder die wegen ihres Glaubens fliehen mussten», sagt der Pfarrer. Eltern hätten sich gefragt, ob sie ihren Kindern die Krippe so zeigen können. «Es ist die Realität», meint der Pfarrer. «Die Kinder sollen die Krippe bestaunen, wie Gott sie uns dieses Jahr gegeben hat. Sie dürfen sehen, dass die Welt nicht so heil ist – aber dass Christus genau für diese Welt gekommen ist.»

 

Die zerstörte Krippe hat viele Gespräche ausgelöst. Pfarreiangehörige, die untereinander oder mit dem Pfarrer das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben, unterstreichen, dass es Meinungsunterschiede geben kann, diese aber keinesfalls auf diese Weise ausgetragen werden dürfen.

 

Wenn die Versicherung etwas bezahlt, könnte die Krippe restauriert werden und nächstes Jahr unversehrt in der Kirche stehen. Vielleicht durch ein Plexiglas geschützt. Dann wird die Botschaft sein: Beschützen wir das Jesuskind, das immer und überall Frieden bringen möchte.

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